Die Lebensbedingungen der

KZ-Häftlinge während des

Marsches

Proviant, Verpflegung und Bekleidung der Häftlinge

Der Ernährungszustand der Häftlinge war vielfach schon vor Beginn des Marsches katastrophal. Schon in den Tagen und Wochen vor der Räumung hatte sich die Ernährungslage in den Konzentrationslagern dramatisch zugespitzt. Immer mehr Häftlinge wurden aus anderen Konzentrationslager nach Dachau und Kaufering verlegt. So kam es verstärkt zu Engpässen bei der Versorgung mit Lebensmitteln.

Besonders schlimm war die Lage in den Kauferinger Lagern, wo die Häftlinge nach dem Motto "Vernichtung durch Arbeit" schwerste Zwangsarbeit verrichten mussten. Die völlig ausgehungerten, stark geschwächten und kranken Häftlinge begannen überall nach etwas Essbarem zu suchen. Sie aßen in ihrer Verzweiflung Gras und Löwenzahn. Ein ehemaliger Häftling berichtet, dass er mit Kameraden versuchte, aus "ein paar Laib grünem, verschimmelten Brot" Suppe zu kochen, doch niemand hatte den Mut, sie zu essen.[1] Gefühle und Solidarität gegenüber den Mithäftlingen wurden zunehmend vom eigenen Überlebenskampf verdrängt. Es kam vor, dass die Häftlinge sich gegenseitig das Wenige, was sie an Essbarem hatten, stahlen. Selbst die Würde vor den Toten war für einzelne völlig verzweifelte Häftlinge kein Tabu mehr. So wird berichtet, dass gegen Kriegsende Häftlinge sogar das Fleisch toter Häftlinge aßen. Der ehemalige Häftling Andreas Jehuda Garai schreibt darüber:

"Und der erste Hungernde erschien mit dem Fleisch. Er knabberte daran. Es schmeckte ihm. Es war ein guter Braten. Dannach folgten auch andere seinem Beispiel und kauten das Fleisch der Menschen. Es schauderte uns. Das Menschenfleisch lockte und unsere Sinne ekelten sich ..."[2]

Unter Berücksichtigung des Ernährungszustandes der Häftlinge und der vor ihnen liegenden Kraftanstrengungen durch den Marsch kann die Marschverpflegung nur als völlig unzureichend bezeichnet werden. Was den Häftlingen tatsächlich als Marschverpflegung zugeteilt wurde, darüber gibt es verschiedene Berichte. "Zum Essen hatten wir für zwei Tage und Nächte zwei dünne Brotscheiben und zwei Dekagramm Kunsthonig" bekommen, berichtet ein ehemaliger Kauferinger Häftling.[3] Ein anderer spricht von "etwas Brot und Margarine".[4] In Dachau erhielten die Häftlinge "1 Dose Konserven, 2/3 Brot (etwa 1kg), etwas Käse und Margarine", was für drei Tage reichen sollte.[5] Die Häftlinge des Dachauer Außenlagers Allach, die auf Marsch geschickt wurden, erhielten "1 Scheibe Brot, ein Stück Margarine und einen kleinen Würfel Käse".[6] Die hier wiedergegebenen Aussagen sind nur Beispiele, wie sich der ausgegebene Proviant zusammensetzen konnte. Bei vielen Häftlingen sah der Proviant anders aus. Die einen bekamen etwas weniger, die anderen etwas mehr. Auch dass Häftlinge überhaupt nichts zugeteilt bekamen, kam vor. Funktionshäftlinge hatten dagegen oft "Beziehungen" und Vergünstigungen, die sich auch in Zusatzrationen zeigten, oder sie nutzten ihre Stellung einfach aus, um sich selbst mehr zuzuteilen. So berichtet ein ehemaliger Häftling, dass er kurz vor dem Abmarsch auf der Suche nach etwas Essbarem im "Zimmer des Lagercapos" einen mit Lebensmitteln gefüllten Rucksack fand. Trotz der katastrophalen Ernährungslage gab es unter den Häftlingen aber auch Solidarität, und Häftlinge teilten sich das wenige Essbare untereinander auf.[7]

Was die Häftlinge an Proviant zugeteilt bekamen, aßen viele sofort auf, weil sie so hungrig waren oder weil sie befürchteten, ihnen könnte das Wenige, was sie hatten, gestohlen werden, was später durchaus vorkam. "Die Mehrzahl besaß nichts mehr davon, als sie durch das Tor marschierten", berichtet der ehemalige Allacher Häftling Riemer.[8] Viele Häftlinge zogen so also schon zu Beginn des Marsches hungrig und ohne Proviant los.

Auch während des Marsches war die Verpflegung mehr als dürftig. Ein Teil der Kauferinger Häftlinge erhielt erst in Allach wieder etwas zu essen. Ein ehemaliger Häftling spricht von einer "Wassersuppe", die es dort gab.[9] Den nächsten Proviant  für die Dachauer und Allacher Häftlinge gab es erst wieder am Lagerplatz Bolzwang südlich von Wolfratshausen, wo die Häftlinge am 28. April ankamen: "Je 6 Mann erhielten 1 Wecken Brot und eine Dose Konserven."[10] Ein anderer Häftling spricht von "eine(r) Dose Käse und 1 Ziegel Brot" für 10 Mann.[11] Auch an den beiden nächsten Tagen erhielten die Häftlinge dort Essensrationen, angeblich im Auftrag der Wehrmacht. Der Bauer Moritz Sappl berichtete, dass er mit einem Pferdewagen auf Befehl eines Majors 500 oder 600 Liter Milch pro Tag und Brot zu den Häftlingen gefahren habe.[12] Dass auch am zweiten Tag im Lager "Bolzwang" Proviant verteilt wurde, wird auch von ehemaligen Häftlingen bestätigt.[13] Zwischen Reichersbeuern und Waakirchen erhielten die Häftlinge ein weiteres Mal die "übliche Verpflegung", die sich ähnlich zusammensetzte, wie zuvor auch.[14]

Eine größere Gruppe von Kauferinger Häftlingen, die nicht wie die anderen nach Bolzwang, sondern nach Buchberg geführt wurden, erhielten erst dort wieder etwas zu essen. Die russischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die im Lager Buchberg waren, zeigten sich gegenüber den KZ-Häftlingen sehr solidarisch. "Die Russen nahmen uns jedenfalls sehr freundlich auf, machten Platz und teilten ihr Essen mit uns", berichtet der ehemalige Häftling Franz Hahn.[15] Am Tag nach der Ankunft in Buchberg erhielten die Häftlinge "Brot, Margarine und gekochte Kartoffeln".[16]

Neben dem von der SS auf dem Marsch ausgegebenen Proviant wurde den Häftlingen immer wieder von der Zivilbevölkerung etwas zugesteckt. So versuchten in den Dörfern und Städten, durch die die Häftlinge getrieben wurden, Teile der Bevölkerung immer wieder, den Häftlingen Brot, Kartoffeln und andere Lebensmittel zu geben. Die SS versuchte, dies mit Drohungen gegen die Bevölkerung und mit Gewalt gegen die Häftlinge zu verhindern. "Als Leute aus der Nachbarschaft Kaffee bringen wollten, wurde vom Posten mit Erschießen gedroht", gab später eine Augenzeugin zu Protokoll.[17] Ein ehemaliger Häftling berichtet:

"Als wir wieder anfingen zu marschieren, haben uns die Leute dieses Dorfes Brot zugeworfen. Aber die Wachmannschaft hat uns nicht erlaubt diese Brotstückchen vom Boden aufzuheben, wenn sie heruntergefallen sind und haben uns mit dem Kolben vom Gewehr geschlagen."[18]

In den Ortschaften, wie zum Beispiel in Gelting, spielten sich erschütternde Szenen ab:

"Die schier völlig erschöpften Menschen warfen sich vor die Türen und Fenster mit flehenden und bittenden Händen, und riefen: 'Hunger, Hunger! Brot! Brot!"[19]

Wo Rast gemacht wurde, versuchten die Häftlinge, aus jungen Trieben von Nadelbäumen Tee zu bereiten.[20] Die Häftlinge hielten ständig Ausschau nach etwas Essbarem. Es wird berichtet, dass sich Häftlinge "vor Hunger auf Mülltonnen stürzten" und "Gemüseabfälle gierig in den Mund stopften".[21] Die Häftlinge "pflückten am Straßenrand Gras und aßen es. Der Grassaft träufelte aus ihrem Mund, was wir mit eigenen Augen sahen", zitiert der ehemalige Tölzer Landrat Anton Wiedemann einen Augenzeugen.[22] Ein Häftling erzählt, dass sie "auf dem Weg ein Stück Fleisch gefunden" hatten, dass von "einem Hund oder einer Katze" stammte und aus dem sie ein Stück herausschnitten und mitnahmen.[23]

Andere völlig ausgehungerte Häftlinge stürzten sich über die Kadaver toter Pferde und rissen sich Stücke Fleisch heraus.[24] Der ehemalige Häftling Heinrich Pakullis berichtet:

"Die letzte Verpflegung durch die SS bestand am 1. Mai aus einem Pferdekadaver. Truppenweise durften die Häftlinge darüber herstürzen. Ein wildes Balgen und Abreißen begann. Wenn der Andrang zu stark war, gab es Kolbenschläge, und Schüsse fielen. Man konnte sehen, dass die SS aus bloßer Begeisterung und Vergnügen schoss, denn so schnell konnte sich kein Häftling von dem Kadaver ein Stück abreißen. Der größte Teil hatte überhaupt kein Werkzeug dazu. Ich sah, wie einige Häftlinge sich buchstäblich am Kadaver hingelegt hatten, um sich mit den Zähnen ein Stück abzureißen. Es sah entsetzlich aus, und nur der Hunger trieb zu solchen kannibalischen Exzessen."[25]

Auch die Bekleidung der Häftlinge muss als katastrophal bezeichnet werden. Von "Elendsmenschen in erbärmlicher und zerlumpter Kleidung" wird berichtet.[26] Die Häftlinge trugen die übliche graublau gestreifte KZ-Kleidung oder Zivilkleidung, die mit Kreuzen oder Streifen gekennzeichnet war. Viele von ihnen hatten die Kleidung vor Monaten das letzte Mal wechseln können. Zudem war sie so dünn, dass sie Wind und Kälte kaum vom Körper abhalten konnte. Durch immer wieder aufkommende Schnee- und Regenschauer war sie zum Teil völlig durchnässt. Diejenigen, die über eine Decke verfügten, hängten sich diese schützend über Kopf und Körper. Doch schon bald wurden auch die mit Wasser vollgesaugten Decken für die zunehmend entkräfteten Häftlinge zu einem Kilo schweren Ballast. So entledigten sich bald viele ihrer Decken oder anderer Kleidungsstücke und ließen sie am Straßenrand zurück. Ein ehemaliger Häftling spricht von "Dachauer Zebra-Kleidern, weggeworfenen Mänteln, nassen Decken" und "Holzpantinen mit abgerissenen Riemen", die am Straßenrand nach Vorbeizug der Häftlinge zu finden waren.[27]

Noch wichtiger als die Kleidung waren für die Häftlinge die Schuhe. Sie konnten auf dem tagelangen Marsch über Leben und Tod entscheiden. Denn wer nicht mehr laufen konnte und zurückblieb, wurde schnell Opfer eines nachfolgenden SS-Kommandos.

Die Häftlinge hatten, Holz- oder Lederschuh. Einzelne besaßen keines von beiden. Die Holzschuhe waren durch ihre Härte sehr unbequem. Da sie oft nicht die richtige Größe und die wenigsten Häftlinge Socken hatten, wurden die Füße schnell wundgerieben. Dies wirkte sich wiederum auf das Marschtempo aus und führte zu verstärkter Antreiberei der SS und zu Übergriffen. Häftlinge, die Schuhe aus Leder trugen, konnten sich dagegen in einer etwas besseren Situation sehen. "Ein Verlust der Schuhe wäre sehr nachteilig gewesen. Es gab Viele, die nur Holzschuhe hatten, bei diesen Gewaltmärschen eine zusätzliche Erschwernis", erinnert sich ein ehemaliger Häftling.[28]

Der Gesundheitszustand der Häftlinge

Der Gesundheitszustand der Häftlinge kann insgesamt nur als katastrophal bezeichnet werden. Die Häftlinge waren unterernährt und erschöpft und dadurch schon von Haus aus verstärkt anfällig für Krankheiten. Hinzu kamen noch die schlechten hygienischen Verhältnisse in den Lagern, aus denen sie kamen. Unter den Häftlingen traten Krankheiten auf wie Ruhr, Ödeme, Erfrierungen, Flecktyphus und Lungentuberkulose. Viele waren von Ungeziefer, vor allem Läusen, befallen. Dies führte wiederum zu großen, durch Kratzen entstandenen, entzündeten und vereiterten Wunden. Andere Häftlinge hatten kleinere und größere Verletzungen, die sie sich bei der Zwangsarbeit zugezogen hatten oder die  von Misshandlungen durch die SS stammten.

Während des Marsches verschlechterte sich der allgemeine Gesundheitszustand der Häftlinge. Schon bald waren viele bis aufs äußerste körperlich erschöpft und konnten nicht mehr weitermarschieren. Aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse - es regnete und schneite in jenen Tagen - kamen die Häftlinge nicht mehr aus ihrer nassen Kleidung heraus. Bei vielen wurden die Füße wund. Miroslav Kárny berichtet:

"Meine Beine waren bis über die Knie angeschwollen - die Geschwülste waren voll Wasser. ... Es kann doch nichts Schlimmeres geben als diesen Hungermarsch, mit unseren Füßen voll mit Blasen und Frostwunden. Ein Genosse vor mir - und nicht nur er allein - ging lieber barfuß."[29]

Die Häftlinge aßen, wie oben erwähnt, vor Hunger alles, was ihnen als essbar erschien. An den Lagerplätzen tranken die Häftlinge in ihrem Durst schmutziges, nicht einwandfreies Wasser. Viele wurden davon krank.

Auch die auf dem Marsch durch das ständige Antreiben der SS verstärkt vorgekommenen Misshandlungen wirkten sich bei den ohnehin schon erschöpften und kranken Häftlingen gravierend auf deren gesundheitlichen Zustand aus.

Misshandlungen und Tötungen von Häftlingen

Die Häftlinge waren auf dem Marsch schutzlos der Willkür der Wachmannschaften ausgeliefert. Wiederholt kam es zu Misshandlungen und auch zu Tötungen von Häftlingen. Besonders Häftlinge, die der SS "negativ" auffielen, oder solche, die russischer Herkunft oder Juden waren, wurden schnell zu Opfern von Übergriffen.  In den Augen der SS fielen Häftlinge schon dann "negativ" auf, wenn sie nur ihre Notdurft verrichteten und deshalb kurzzeitig aus der Marschkollonne austraten. Eine Wolfratshauser Augenzeugin berichtet:

"Bei dem Durchmarsch der K.Z.ler sah ich, daß in der Nähe meines Anwesens abseits der Straße ein Häftling seine Notdurft verrichten wollte und zum Teil entkleidet war als ein dicker SS-Mann (Frankfurter Dialekt) schreiend auf ihn zusprang und schimpfte, daß er das dritte mal schon ausgetreten ist und ihn nötigte, so daß er seine Notdurft nicht verrichten konnte und wieder mitmarschieren mußte."[30]

Häftlinge, denen die Zivilbevölkerung Wasser und Nahrungsmittel reichen wollte, trieb die SS mit ihren Gewehrkolben oder anderem Schlagwerkzeug weg und schlug auf sie rücksichtslos ein. Über einen solchen Vorfall in Wolfratshausen wird berichtet:

"Gelegentlich einer Stockung baten sie mit flehenden, furchtsamen Blicken und bittenden Händen um Brot; wir holten selbes in Eile herbei. Um dieses in Empfang zu nehmen, bewegte sich ein Gefangener ein wenig aus der Reihe. Sogleich schlug ihn der Wachposten mit seinem Stock auf Kopf und Rücken, daß der Mann wankte."[31]

Ein Augenzeuge aus Höhenrain gibt zu Protokoll:

"Nun schlug er mit seinem Gummiknüppel, die um die Kartoffeln und das Brot nehmenden KZ rücksichtslos ein, gerade wo er hintraf, so daß die KZ schreiend wegliefen bzw. wackelten."[32]

Mit brutaler Gewalt wurden die Häftlinge von der SS zum Weitermarsch angetrieben. Vor allem die Schwächsten unter ihnen, die vor Erschöpfung, Hunger und Krankheit kurz vor dem Zusammenbrechen waren und das Marschtempo zu verlangsamen drohten, wurden stark misshandelt. Aus Reichersbeuern wird berichtet:

"Ein junger Bursche konnte vor Erschöpfung nicht mehr weitergehen. Als er trotz Fußtritten und Prügel nicht mehr aufstand, wurden Waffen auf ihn gerichtet und Hunde auf ihn gehetzt. Die Hunde rissen und bissen an allen Seiten, bis er sich langsam wieder aufrichtete und weiterging."[33]

Eine Augenzeugin aus Wolfratshausen:

"Gegenüber auf der Seite der Post versuchte ein alter Häftling ein dort stehendes Lastauto zu besteigen, da er kaum mehr gehen konnte. Der gleiche Wachposten eilte hinüber und riß den Mann gewaltsam mit Stockschlägen herunter, so daß der Ärmste zu Boden rücklings stürzte; durch Stöße mit den Füßen veranlaßte der Rohling den Mann zum Aufstehen und Weitergehen."[34]

Das Brutale Verhalten gegenüber den Häftlingen wird auch von dem ehemaligen SS-Unterscharführer Albin Gretsch bestätigt. Im Rahmen des Dachau-Prozess gibt er zu Protokoll, dass er selbst Misshandlungen von Häftlingen gesehen und von Erschießungen gehört hat:

"Die jüngeren Posten haben sich an den Gefangenen, die nicht weiterlaufen konnten, schwer vergriffen, haben die Hunde auf sie gehetzt und sie zum weitergehen angetrieben. Ich selbst habe einen Posten, der einen Hund auf einen wehrlosen Gefangenen, der zusammengebrochen ein wenig abseits der Straße lag, hingehetzt hat, zur Rede gestellt. Der Name dieses vielleicht 18jährigen Postens ist mir unbekannt, aber ein Oberscharführer der Hundestaffel nahm den jungen Mann in Schutz. Ich weiß nicht, ob der umgefallene Mann noch einmal aufgestanden ist und ob der große deutsche Schäferhund ihn in die Kehle gebissen hat. Den Namen des Hunde-Oberscharführers weiß ich auch nicht. Ich habe die Leute auch schreien hören. Ich ließ zusammengebrochene Häftlinge rechts und links liegen. Wie die Zivilbevölkerung den Häftlingen Wasser und Brot geben wollte, haben einzelne Posten den Zivilisten das verboten und gesagt: 'Das sind Verbrecher!' Sie haben dann die Häftlinge mit den Gewehrkolben weggejagt. Am schlimmsten waren die regulären SS-Männer vom Schutzhaftlager, meistens Unterführer. ...  Da aber viele Häftlinge zu schwach waren, die ganze Strecke mitzumarschieren, sind sie am Wege von einzelnen Posten erschossen worden. Ich habe das Schießen hören können, zum Beispiel im Walde von Wolfratshausen, aber ich habe nicht mit meinen eignen Augen gesehen, wie Leute erschossen worden sind. Es gab auch Posten, die die Gefangenen mit Stöcken geschlagen haben. Die Gefangenen hatten schlechtes Schuhwerk, viele hatten Holzschuhe und konnten schlecht laufen von wunden Füßen. Sie humpelten und hinkten."[35]

Auch der ehemalige SS-Angehörige Hans-Friedrich Lenz berichtet, dass er gesehen habe, wie ein "SS-Oberführer einen Häftling, der am Rande der Straße lag, mit seiner Pistole erschoß".[36] Aber auch Häftlinge, die in den Augen der SS nicht "negativ" auffielen, wurden Opfer von Misshandlungen. Der Willkür der SS waren keine Grenzen gesetzt. So wird aus Gauting berichtet:

"Ein Posten fuhr mit dem Motorrad ständig die Straße entlang und gab den Häftlingen Fußtritte, selbst, wenn sie ruhig ihren Weg weiter gingen."[37]


[1]

KZGD: 12.939: Bericht des ehemaligen Häftlings Kárny, S. 11.

[2]

Garai, A. Jehuda zitiert in: Posset, Anton: Das Ende des Holocaust in Bayern in: Themenhefte. Heft 2, a.a.O., S. 28. Vgl. auch: Frankl, a.a.O., S. 93.

[3]

KZGD: 12.939: Bericht des ehemaligen Häftlings Kárny, Miroslav, S. 14.

[4]

IGG: 100293: Schreiben des ehemaligen Häftlings Shul, Abraham.

[5]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Scherz, Franz, S. 11.

[6] 

Riemer, a.a.O., S. 187.

[7]

Yad Vashem: M-1/2439: Kohs, a.a.O., S. 27.

[8]

Riemer, a.a.O., S. 187.

[9]

IGG: 100293: Schreiben des ehemaligen Häftlings Shul, Abraham.

[10]

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 23.

[11]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Manila, Leopold.

[12] 

KZGD: Dachau-Prozeß-Akte, Band III: Sappl, Moritz: Direkt Examination, S. 758 f.

[13]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Malina, Leopold: "Gegen 11 Uhr bekamen wir die übliche Verpflegung." Vgl. auch: KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Franz Scherz, S. 25: "Um Mittag gab es wieder eine Essens-Portion."

[14]

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Manila, Leopold. Vgl. auch KZGD: 5685: Bericht des ehemaligen Häftlings Schmidt, Rupert.

[15]

IGG: 071193: Schreiben des ehemaligen Häftlings Hahn, Dr. Franz.

[16]

KZGD: 15.812: Shalit, a.a.O., S. 18. Vgl. auch Yad Vashem: 015/1954: Protokollierte Aussage von Lengyel, Ferencné vom 29.08.1945.

[17]

KZGD: 773/II: Protokollierte Aussage von Oppermann, Lisel vom 09.11.1945.

[18]

IGG: 100293: Schreiben des ehemaligen Häftlings Shul, Abraham.

[19] 

Wimmer, a.a.O., 14.07.1965.

[20] 

KZGD: 20.967: Bericht des ehemaligen Häftlings Manila, Leopold.

[21]

Deiler, Manfred: Der letzte Weg der KZ-Häftlinge in: Themenhefte, Heft 2, a.a.O., S. 12.

[22] 

Wiedemann, a.a.O., S. 48.

[23]

Pasternak, Slomo in: Themenhefte, Heft 2, a.a.O., S. 17.

[24] 

Kaplan, a.a.O., S.  16. 

[25]

KZGD: 233: Bericht des ehemaligen Häftlings Pakullis, Heinrich.

[26]

Wimmer, a.a.O., 30.06.1965.

[27]

Wimmer, a.a.O., 30.06.1965.

[28] 

KZGD: 26.448: Bericht des ehemaligen Häftlings Scherz, Franz.

[29]

KZGD: 12.939: Bericht des ehemaligen Häftlings Kárny, Miroslav, S. 15 f.

[30] 

KZGD: 775: Protokollierte Aussage von Cahn, Maria vom 08.11.1945.

[31] 

KZGD: 776/I: Protokollierte Aussage von Schwarz, Frieda vom 12.11.1945.

[32]

KZGD: 779/I: Protokollierte Aussage von Mooser, Josef vom 08.11.45.

[33] 

Wiedemann, a.a.O., S. 48.

[34]

KZGD: 776/I: Protokollierte Aussage von Schwarz, Frieda vom 12.11.1945.

[35] 

KZGD: 6604: Eidesstattliche Erklärung von Gretsch, Albin vom 31.10.1945.

[36]

Lenz, Hans-Friedrich: "Sagen Sie Herr Pfarrer, wie kommen Sie zur SS?". Gießen 1982. S. 135.

[37]

KZGD: 773/II: Protokollierte Aussage von Oppermann, Lisel vom 9.11.1945.

          

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Konzentrationslager Dachau, Kaufering und Mühldorf Ende April 1945.

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